Erpetal

gewandert am: 17.10.2018
Region:
benötigt: nix außer Spaß am Laufen

Startpunkt: S-Bhf Hirschgarten
Ziel: Hoppegarten
Entfernung: 11,5 km
höchster Punkt: m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Eine kleine Stadt-nahe Wanderung, die ich gern zu Herbstanfang unternehme, ist jene durch das Erpetal. Wurde der Boden nicht frisch von Wildschweinen umgepflügt, kann man direkt dem sich selbst überlassenen, ehemals mit Platten korsettierten Bachlauf folgen.

Im Jahr 1957 wurde das Erpetal zwischen Friedrichshagen und Hoppegarten zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Seit 2003 ist der in Neuenhagen und Dahlwitz-Hoppegarten liegende Teil des Neuenhagener Mühlenfließes Naturschutzgebiet. Trotz Renaturierung ist dem Flüsschen anzumerken, dass es keiner klaren Gebirgsquelle entspringt, sondern aus diversen urbanen Zuflüssen und dem Ableiter des Klärwerkes Münchehofe gespeist wird.

Dennoch lohnt ein gemächlicher Streifzug durchs Erpetal, haben sich doch auf den weiten Wiesenflächen seltene Pflanzen und Insekten wieder angesiedelt, was auch die Vogelpopulation freut. Und Wildschweinhorden. Gelegentlich auch Menschenhorden.

Etappe: Hirschgarten – Mittelheide – Mühlenstraße

Die Tour kann man wahlweise in Hirschgarten beginnen, um auf der ersten Etappe den gleichnamigen Forst zu durchwandern, oder man startet in Friedrichshagen. Die paar Male, die ich bisher im Erpetal war, bin ich jeweils am Hirschgarten losgezogen. Genau genommen an der nahe gelegenen Straßenbahnhaltestelle. Ein Mural an der Hauswand kündet von der einst klassischen Bebauung des Villenviertels. Der Name Hirschgarten soll auf den Bankier Friedrich Wilhelm Albert Hirte zurück gehen, der die Vision hatte, den damals kahlen Acker in blühende Gärten zu verwandeln. Heute stehen dort bewohnte Klötze aus DDR-Beton herum.

Ein paar Meter weiter taucht das Neuenhagener Mühlenfließ, besser bekannt als Erpe, auf und der Wanderer in die Mittelheide ein. Dieses Waldgebiet zwischen Wuhle und Erpe ist von einem Wegenetz durchzogen und bietet waldige Abschnitte sowie den weitläufigen Schießplatz mit Heidecharakter.

Dort legte ich auf einem Minihügelchen eine erste Rast ein, um den Blick schweifen und die Seele ruhen zu lassen. Durch ein Grüppchen halbstarker Birken ging ich hinüber zu der Erhebung, die den Schießplatz abschließt und den Wanderer zur Mühlenstraße hinüber geleitet.

Etappe: Mühlenstraße – Erpetal – Dahlwitz

Beim ersten Mal Erpetal-Durchwanderung hatte ich Mühe, anschließend den Einstieg in das Bachtal zu finden. Dank Erfahrung und komoot landete ich diesmal treffsicher an der Brücke über die Erpe, wo beidseits parallel verlaufende Pfade dem Ufer folgen. Diese Pfade sind gern mal aufgewühlt. Ausweichen kann man auf den am Waldrand entlang führenden blau markierten Wanderweg E11.

Am linksseitigen Ufer erspäht man bald einen herrlichen Baum, der mit seinen silbrigen, zart in  Herbstfarben angehauchten, Blättern, einem Caspar David-Friedrich-Gemälde entstiegen zu sein scheint. Diesmal war die Bildkomposition durch ein Mobil in Knall-Orange verändert und eher einer anderen Epoche zuzuordnen. Egal ob Biedermeier, Impressionismus oder neue Sachlichkeit – ich hoffe sehr, dass die im und ums Mobil beschäftigten Männer  keine Vermessungsarbeiter waren und dem Tal kein Ungemach droht…

Am überdachten Rastplatz künden Schilder jedenfalls noch immer von der Renaturierung des geradlinig verlaufenden, tief eingeschnittenen Baches sowie der Pflanzen und Tiervielfalt der Wiesenlandschaft. Bis die Erpe wieder einen halbwegs natürlichen Verlauf in die Wiese gegraben hat, dürfte noch ein paar Jahrzehnte dauern.
Die nahe gelegene Heidemühle wünscht man sich bewirtschaftet, aber statt Bier wird dem Wanderer lediglich eine Infotafel zur ehemaligen Mühle feil geboten. Der Weg führt im nächsten Abschnitt durch Mischwald, quert die Friedrichshagener Chaussee und unterquert ein ganzes Ende weiter die Verkehrsader B5. Dieser Wegabschnitt ist wenig begangen. Mir begegneten nur eine Frau, zwei radelnde Männer und jede Menge Tintlinge.

Ich habe mich hier und da nochmal an das Erpe-Efer herangepirscht, um Enten zu beobachten , nach Wildkräutern sowie einem geeigneten Pausenplatz Ausschau zu halten.

Etappe: Dahlwitz (Schlosspark)  – Erpetal (am Zochegraben) – Rennbahn – S-Bhf. Hoppegarten

In Dahlwitz angekommen geht es nach wenigen Metern Kopfsteinpflaster in den aparten Park mit fast fertig restauriertem,  1855/56 vom Berliner Architekt Friedrich Hitzig für den Gutsbesitzer Carl von Treskow gebautem, Schloss. Der weitläufige Park wurde von Peter Joseph Lenné errichtet und nach ihm benannt.
Der lauschigen Dahlwitzer Dorfstraße folgend gelangt man bald an den Abzweig, an dem der Wanderweg erneut ins Grüne eintaucht. Obwohl links flankiert von umzäunten Geländen undefinierbarer Nutzung, ist dieser Teil des Erpetals kaum weniger einladend, als der vorige Abschnitt. Auf breitem Weg mäanderte ich gemütlich gen Norden, folgte dem nun schmalen Pfad im rechten winkel direktemang auf die Trabrennbahn Hoppegarten zu, deren Aussichtstürme schon von weitem auszumachen sind.

Das letzte Stück Weg verläuft auf kupfernem Teppich parallel zur Rennbahnallee, vorbei an grasenden Schafen  und dann duch Hoppegarten zum gleichnamigen Bahnhof. Eine nette Einkehrmöglichkeit wäre das i-Tüpfelchen auf diesem wundervollen, stillen Herbsttag gewesen. Nur konnte ich leider keine entdecken.

veröffentlicht am: 11.12.2018

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