Wandern in der Sächsischen Schweiz: auf die Kaiserkrone und um den Zirkelstein bei Schöna

Tourdetails

gewandert am: 03.03.2022
Region: , ,
benötigt: nix außer Spaß am Laufen

Startpunkt: Schöna
Ziel: Schöna
Entfernung: 4,5 km
höchster Punkt: 320 m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Die Kaiserkrone bei Schöna scheint nicht viel mehr als ein Hügel in der Landschaft, dabei hat es der ehemalige Tafelberg faustdick hinter den drei namensgebenden Zacken...

Etappe: Schöna – Kaiserkrone

Der Aufstieg auf die Kaiserkrone ist kurz und einfach und auch für kleinere Kinder gut zu bewältigen. Nach nur wenigen mit Holzstufen ausgelegten Weg-Metern lernt man am Hinweisschild, dass der hier in der Gegend herum liegende große Sandsteinbrocken nebst anderen im Skizzenbuch des Caspar David Friedrich verewigt ist und später im berühmten Gemälde ‚Der Wanderer über dem Nebelmeer‘ eingearbeitet wurde.

Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich
Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich (© gemeinfrei)

Wenig unterhalb der westlichen Aussicht gibt es zudem zwei in Stein gehauene liegende Löwen, die mir beim Aufstieg aber leider entgangen sind.

Die Tierskulpturen wurden von einem Mitglied der Ortsgruppe Schöna des damaligen Vaterländischen Gebirgsvereins Saxonia geschaffen. Die Ortsgruppe Schöna war es auch, die 1885 die Kaiserkrone touristisch erschloss, Balken auf dem Weg verlegte, Geländer anbrachte und auf dem mittleren Gipfel eine Wetterfahne aufstellte. An die Wetterfahne kann ich mich noch gut erinnern, denn die Kaiserkrone habe ich in meinem Leben häufiger bestiegen als sonst einen Gipfel. In Dresden in einer wander-begeisterten Familie aufgewachsen, verbrachten wir gefühlt fast jedes Wochenende in der Sächsischen Schweiz und die Herbstferien regelmäßig in Schöna. Mein Bruder und ich machten uns einen Spaß daraus, vor dem Abendessen im Erbgericht (die Gaststätte gibt es bedauerlicherweise nicht mehr), schnell mal noch zur Kaiserkrone hoch zu flitzen.

Das Plateau der Kaiserkrone, einem einstigen Tafelberg, ist in drei einzelne Gipfel zerstückelt. Auf alle drei führen Metallleitern hinauf und die Gipfelplattformen sind durch Geländer begrenzt, also quasi mit Kindersicherung. Von hier oben hat man hervorragende Sicht auf die bizarr zerfurchte Stirnseite der Schrammsteine gegenüber. Die Felsenkette geht nahtlos in die Flanke des Großen Winterbergs über. Der Blick schweift über diverse Erhebungen in der Böhmischen Schweiz, die vom symmetrischen Kegel des Rosenbergs überragt werden. Die tief unten im Tal liegende Elbe ist hinter den Feldern der Ebenheit nicht zu sehen.

In allernächster Nähe steht der nächste Tafelberg – der kleinste der Sächsischen Schweiz –, der Zirkelstein, der mit seinen Baum-bestandenen Hängen und dem Gipfel-Knubbel, aus allen Blickrichtungen an einen aufgespannten Zirkel erinnert. Sein aus den Bäumen heraus ragender Gipfelfelsen bietet ebenfalls einen tollen Rundumblick. Unverwechselbar liegen der Große und der Kleine Zschirnstein am Horizont, gefolgt von Gorisch, Pfaffenstein und Papststein. In der Ferne ragt der majestätische Lilienstein über die Elbschleife, in der er steckt, und der Kreis schließt sich, wenn man mit den Augen den gelb-weißen Sandsteinbrüchen bis zu den grau aufragenden Schrammsteinen folgt.

Die Wetterfahne auf der Kaiserkrone gibt es leider nicht mehr. Nur der einst als Sockel dienende Felsklops und einige, nutzlos in die Höhe ragende, Streben erinnern daran. Stattdessen steht heute auf dem benachbarten Gipfel eine silbern glänzende Antenne. Nicht schön, aber nützlich.

Etappe: Kaiserkrone – Zirkelstein – Schöna

Der Abstieg von der Kaiserkrone erfolgt auf dem selben Weg. Wir folgten der ins Elbtal führenden Straße bis zu einer Abzweigung zum Feld, schlugen den Weg nach links ein, um den Zirkelstein zu umrunden. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne den (Land)wirt gemacht. Der Fahrweg endete im Nichts. Nur eine vage Fahrspur schräg die Wiese hinauf ließ erahnen, dass es dort oben irgendwie weitergehen muss. Komoot war derselben Meinung. Außerdem konnte man von unterhalb auch das Zirkelsteinhaus, eine Jugendherberge des Touristenvereins ‚Die Naturfreunde‘, durch die Bäume blitzen sehen, das 1917 als erstes Naturfreundehaus in Sachsen eröffnet wurde. Wo ein Haus ist, ist in der Regel auch ein Weg…

Oben angekommen, landeten wir direkt an einem Picknicktisch am äußersten Zipfel des den Zirkelstein umgebenden Wäldchens. Gleich dahinter begann der bequeme Wanderweg am Zirkelstein, der immer geradeaus nach Schöna führt. Wer besser zu Fuß ist, als wir es an diesem Tag waren, nimmt auch den Zirkelsteingipfel mit, der in 15 Minuten zu erreichen ist und ähnlich grandiosen Rundumblick bietet.
Wir beäugten die Felskuppe nur von unten. Kommt man hinter dem Zirkelstein hervor, hat man abschließend nochmals einen schönen Blick auf die Kaiserkrone vor den Schrammsteinen am anderen Elbufer. Nun sind es nur noch wenige Meter bis zum (kostenpflichtigen) Wanderparkplatz in Schöna.

Das Dorf Schöna geht im Talgrund nahtlos in Reinhardtsdorf über. An den Elbhängen wurde früher Sandstein abgebaut. Der Zwinger in Dresden, das Schloss Albrechtsberg und zahlreiche Bauten im sächsischen Raum wurden mit Reinhardtsdorfer Sandstein errichtet.

Tipp:
Reist man mit dem Auto über Krippen an, kann man in Reinhardtsdorf an der Bücherkiste (mit sonniger Bank davor) einen Stopp einplanen, um Urlaubslektüre gegen bereits Gelesenes aufzustocken.

Variante:
Wenn man mit dem Zug anreist, kann man ab Bhf. Schmilka Hirschmühle den Aschersteig empor wandern oder, wie vom Wander- und Naturführer Sächsische Schweiz Band 2 empfohlen, durch das Gelobtbachtal mit historischem Kornmarktstein und türkisfarbenem Mühlenteich. Das Gelobtbachtal steht auf meiner To-Do-Liste… 😉

veröffentlicht am: 10.03.2022

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