Gosen-Steinfurth-Erkner

gewandert am: 16.12.2018
Region: ,
benötigt: gute Kondition, Wanderkarte

Startpunkt: Gosen Brücke
Ziel: Erkner
Entfernung: 19,5 km
höchster Punkt: 40 m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Ich mag es, bei meinem Lieblingshobby nicht nur unbekannte Natur, sondern auch wanderfreudige Menschen kennen zu lernen, denen in Wald und Flur ebenfalls das Herz aufgeht. Diesmal wurde quasi  ICH entdeckt und von einem Wanderer und Wanderblogger, der schon jedes Fitzelchen Brandenburgs erkundet hat, zu einer gemeinsamen Tour eingeladen. Ich war gelinde überrascht, dass die von mir vorgeschlagene Strecke Blogger F., Autor des Blogs Wandern in Berlin & Brandenburg,  nur in Teilen bekannt und demnach für uns beide interessant war. Wir verabredeten uns an einem grauen Samstag im ausklingenden Jahr und begannen die gemeinsame Tour versehentlich eine Bushaltestelle zu früh.

Etappe: Gosen – Kaniswall – Neu-Zittau

Auf dem nun unvermeidlichen asphaltierten Kilometer konnten wir einen Blick auf den  Gosener Kanal werfen, der den Seddinsee mit dem Dämeritzsee verbindet und das Europäische Vogelschutzgebiet Müggelspree durchquert. Anschließend nahmen wir den benachbarten Gosener Graben und letztendlich den Großen Strom – warum die paar Meter Wasserlauf einen so großspurigen Naem tragen, erschließt sich nicht –  in Augenschein und unter Fotobeschuss.

In Gosen angekommen, tangierten wir den eher unansehnlichen Gosener Müggelpark, ließen bald darauf Asphalt, Beton und Glas rechts liegen und tauchten in die wasserreiche Wiesenlandschaft an der Grenzlinie zwischen Berlin und Brandenburg ein. Kaniswall kannte ich bislang nur vom Hörensagen. Freiluftlabor? Wat isn dit? Wie sich heraus stellt, ein außerschulischer Grüner Lernort, wo mitten in Berlins größtem zusammenhängendem Naturschutzgebiet ökologische Zusammenhänge und Schutzstrategien vermittelt werden.

Hinter der Fischerei Löcknitz und Kaniswall schlängelten wir uns weiter durch die sandgelbe von Kanälen durchzogene und nur von Weidezäunen unterbrochene weite Wiesenlandschaft in Richtung Neu-Zittau.

Etappe: Neu-Zittau – Burig – Steinfurth

In Neu-Zittau wählten wir den kürzesten Weg zur Spree und folgten dem vor den Toren der Stadt dahin ziehendem Flüsschen. Da der Winter alles grün zurück geschnitten hat, konnten wir das Wasser und seine Anwohner gut beobachten. Ich kenne die strecke zwischen Neu-Zittau und Burig von früheren Spaziergängen. Damals gab es dort viele angenagte bzw. komplett zum Bleistift abgenagte Bäume. Inzwischen sind alle jungen Bäume mit Drahtgeflecht umzingelt, was äußerst schade ist, denn Biber können sich nur wieder ansiedeln, wenn wir sie als Ureinwohner verstehen und ihren Lebensraum nicht beschneiden.

An einer Bank am Ufer machten wir kurz Pause. Ich knabberte einige selbst gebackene Kekse und schlürfte heißen Tee und war erneut erstaunt, dass viele Wanderer neuerdings ohne Proviant unterwegs sind. Und dies offensichtlich auch gut vertragen. Mir würde der unterzuckerte Magen schon nach halber Strecke in der Kniekehle hängen.

Um nicht auszukühlen setzten wir den Marsch auf schmalem Wege am Spreeufer fort, bis wir Burig mit imposantem Herrenhaus erreichten und trotteten dann entlang der Straße bis zur Siedlung Steinfurth.

Dort trafen wir auf verwitterte Tafeln mit angepriesenen Wanderwegen, aber diese enden früher oder später alle auf Kuhweiden.

Nun folgten wir dem Ufer der Spree in entgegengesetzter Richtung und mussten zwangsweise eine Koppel überwinden. Zum Glück war vom lieben Vieh weit und breit nix zu sehen. Seit meiner Zeit auf der Alm im #sommeroffline habe ich zwar weniger Angst vor großen Kühen, aber man weiß ja nicht, ob ein Stier dabei ist und auf meine rote Jacke anspringt. Wir hielten uns am äußersten Rand der Koppel, benutzten dabei ausgetrampelte Kuhpfade und hielten nur kurz für Fotos an. Die Kühe, die letztendlich doch noch ins Blickfeld rückten, waren mit Futtern beschäftigt und an uns nicht interessiert. Puh.

Wir unterquerten die Autobahn und überquerten die Spree. Ab dem Campingplatz Jägerbude führte der Weg monoton und kerzengerade durch Kiefernwald bis zur Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. Am verloren wirkenden Wegweiser nach Erkner, der an einer kleinen Raststelle dahinvegetiert, gabs noch einen Keks mit Tee-Begleitung.

Etappe: Steinfurth – Stiftung Hoffnung Lobetal – Bretterscher Graben – Erkner

Anschließend hatten uns die sandgelben Wiesen wieder. Teils auf Plattenwegen gelangten wir zur Verkehrsader zwischen Neu-Zittau und Erkner. Achtung, nicht alle auf der Karte eingezeichneten Wege durchs Heidegras funktionieren , denn Weidezäune blockieren gern auch mal einen Weg. Auf der anderen Seite der Straße stießen wir erst an einen Wurmfortsatz und dann direkt ans Ufer der Spree, die dem Dämeritzsee entgegen strebt. Der etwas versteckten Uferpfad  war für mich das Highlight der Tour!

Das letzte Wegstück war ebenfalls sehr schön und führte durch den Bretterschen Graben. Anfangs noch am Kanal entlang, später zunehmend besiedelter, führte uns der Weg direkt nach Erkner, wo wir in der Dämmerung zum S-Bahnhof marschierten und diese sehr schöne Tour beendeten.

veröffentlicht am: 02.03.2019

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