Von Grünberg nach Brüssow (Uckermark)

gewandert am: 19.08.2020
Region: ,
benötigt: gute Kondition, Wanderkarte

Startpunkt: Grünberg
Ziel: Brüssow
Entfernung: 21 km
höchster Punkt: 68 m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Wegen Kurzarbeit musste ich in diesem Jahr meinen Urlaub auf eine Saison legen, die ich in dieser Hinsicht normalerweise meide. Im Hochsommer mit vollen Zügen, ausgebuchten Quartieren und hohen Preisen, erholsam Urlaub zu machen, ist eine Herausforderung. Ich fand in Grünberg in der ruhigen Uckermark ein schönes Plätzchen zum Aussspannen. Grünberg war quasi mein Basislager, von wo aus ich zu Fuß die Gegend erkundete. Zum Klopapier kaufen musste ich nach Brüssow, das nur 6 km von Grünberg entfernt und mit dem Bus erreichbar ist. Ich aber wollte laufen. Es gibt einen wesentlich kürzeren Weg über den Krebssee nach Brüssow, der sicherlich ebenfalls reizvoll, aber eben auch kurz ist. Deshalb disponierte ich unterwegs um und schlug den Bogen weiter … und schoss mich dabei ins Aus. Die Zeit wurde zu knapp, denn der letzte Bus ab Brüssow fuhr 17 Uhr und Klopapier wollte ich ja auch noch kaufen. ;-) In Karlsruh (Meck-Pomm) querte ich deshalb das Feld und fuhr die letzten Kilometer per Anhalter. Hier ist die Tour so aufgezeichnet, wie ich sie gern zu Ende gelaufen wäre. Diese Tour führt in weitem Bogen durch welliges (und leider auch staubtrockenes) Ackerland nach Brüssow, der kleinsten Stadt Brandenburgs. Vor allem der Teil nördlich der Verbindungsstraße Carmzow- Brüssow hat mir sehr gut gefallen und wäre eine zweite Reise wert.

Etappe: Grünberg – Trampe – Carmzow

Grünberg gehört Gemeinde-technisch zu Brüssow, der kleinsten Stadt Brandenburgs und ist, bei genauer Betrachtung ein stilles Dörfchen mit einem Gutsgelände im Dornröschenschlaf. Krass, wenn man erfährt, dass alleine im Gut in den Siebzigern über 70 Menschen gelebt haben. Die Wende hat nicht nur die viel genutzte Bahnlinie von Schmölln nach Pasewalk, sondern die gesamte Region zum Erliegen gebracht. Dank Zuzugs aus Berlin und zunehmender Beliebtheit als Reiseziel, gewinnt die Uckermark an Attraktivität und man kann hoffen, dass zumindest bei den Bahnstrecken und Einkaufsmöglichkeiten sinnvolle Infrastruktur wieder belebt wird. Gott sei Dank war mein Feriendomizil Verkehrs-technisch halbwegs angeschlossen, so dass ich auch ohne Pkw Touren machen konnte, die nicht zwangsweise Rundtouren sein mussten.

Grünberg und Brüssow liegen im nordöstlichen, weniger bei Touristen beachteten Teil der Uckermark, weil die Landschaft zur Oder hin flacher und Wälder und Seen spärlicher werden. Trotzdem hat diese Gegend ihren Reiz. Das Dorf Grünberg wurde im 13. Jahrhundert von deutschen Kolonisten gegründet und 1272 erstmals urkundlich erwähnt. „Einer Lehnsurkunde von 1482 zufolge besaßen die Gebrüder Melsholt das gesamte Dorf sowie drei Seen… Die Besitzer Grünbergs wechselten jedoch sehr oft. Sie reichen von Johannes von Stegelitz (13. Jahrhundert) über derer von Elsholtz (Ende des 15. Jahrhunderts), Herr von Oppen, Herr von Arnimb-Götzkendorff bis hin zu derer von Stülpnagel (Anfang des 18. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert).“[1] In Grünberg überrascht am kleinen Friedhof die Barockkirche St. Anna mit ovalem Grundriss. Laut Wetterfahne wurde sie 1792 erbaut. Ebenfalls überraschend war für mich der bunte Kinderspielplatz nahe der Bushaltestelle. Später stellte ich fest, dass nahezu jedes Dorf, in das ich meinen Fuß setzte über einen modernen Spielplatz verfügt.

Ab Grünberg folgte ich dem Plattenweg am Ortsausgang nach Trampe. Schon von weitem sieht man den Turm der Dorfkirche Trampe aus dem Blättergrün hervorlugen. Ansonsten gibt es auf diesem kurzen Stück wenig zu sehen. Trampe wirkt genauso verschlafen wie Grünberg. Hier bog ich in eine Dorfstraße ab, die laut Komoot als Weg bis Carmzow führen sollte. Dieser idyllische Weg über weite Felder kreuzte ein Bächlein, das wegen der Hitze ausgetrocknet war. Danach ward er – der Weg – nicht mehr gesehen. In dieser Landschaft mit weit verstreuten ortschaften ist Orientierung nach Sicht schwierig. Denn selbst wenn man theoretisch das nächste Dorf sehen könnte, versperrt einer der für die Uckermark typischen schön geschwungenen Hügel die Sicht. Nun musste ich mich auf den digitalen Strich in komoots Kartenansicht verlassen. Hat super funktioniert und nach wenigen Hundert Metern am Feldrain entlang, traf ich auf den Weg nach Hedwigshof, der widerum von der Pflasterstraße abzweigte, die Wallmow und Carmzow verbindet.

Auf diesem gemütlichen, weil einsamen Pflasterweg zottelte ich weiter gen Carmzow, wartete dort einen kurzen Regenschauer ab, lies den Bus nach Brüssow fahren und tauchte nördlich der Hauptstraße erneut zwischen den Feldern der Region ab.

 

Etappe: Carmzow – Karlsruh ( – Stramehl – Brüssow)

Die meisten Felder waren abgeerntet und schimmerten wie Rehfell in der Sonne. Hier und da gab es von Weiden umstandene grüne Inseln in den Feldern. Dorthin werden die vom Feld geklaubten Steine getragen, wo sie Eidechsen Unterschlupf bieten. Überhaupt sind diese grünen Inseln wichtige Mini-Biotope und Rückzugsräume für Wild, Vögel und anderes Getier. Apropo Tierverstecke. Selbst die teils nur 1 m dicken Hecken am Wegesrand dienen Rehen als Versteck. Mangels Wäldern, nehme ich an. Kam ich näher, brachen die scheuen Tiere jeweils aus ihrem Versteck und rannten aufs freie Feld, wo sie kurz verharrten und die vermeintliche Gefahr – also mich – beäugten, bevor sie zur nächsten Baumgruppe sprinteten.

Ich folgte dem Auf und Ab des Weges, der weite Blicke über die sanft geschwungene Landschaft bot und rechts vom Klockower Weg „die höchste Erhebung der Gemarkung … mit 67,6 über NN“ [2], immer weiter Richtung Norden. Am 1956 geöffnteten ca. 4000 Jahre alten Großsteingrab, schwenkte ich nach Rechts, um einen Bogen nach Brüssow zu schlagen. Ich hatte die Entfernungen auf meiner Karte jedoch unterschätzt und brauchte geraume Zeit, um zwischen Windrädern und Stoppelhügeln den in weiter Ferne (zu weit für mein Empfinden) hervorblitzenden Dächern von Karlsruh (Meck-Pomm) näher zu kommen. Die wellige Gegend mit ihrer kargen Anmut gefiel mir ganz wunderbar. Selbst die windräder vermochten nicht zu stören. Gefreut habe ich mich über die vielen Mirabellen, die in jeder erdenklichen Farbschattierung zwischen gelb und violett zum Naschen verleiteten. Jede Farbe hatte einen andern Geschmack…

Kurz vor Karlsruh änderte die Landschaft nochmal ihr Antlitz. Schier undurchdringlich wirkendes Grün versperrte jede Möglichkeit abzukürzen und Richtung Stramehl zu gelangen. Also blieb mir nichts Anders übrig, als der Route nach karte zu folgen, was mir einerseits ein schattiges Wegstück und eine meterlange Brombeerhecke mit schwarzen, fetten Früchten einbrachte. Endlich im Örtchen angekommen, brach ich die Tour ab. Wegen des Klopapiers. Und der Tatsache, dass der letztmögliche Bus zurück kurz nach 17 Uhr ab Brüssow startet. Das wurde mir zu knapp und nach den vielen Kilometern bei Hitze, wollte ich die verbliebenen nicht durch die Gegend rennen müssen. Den verlockend aussehenden Feldweg nach Stramehl, von wo man an den Brüssower See gelangt und an dessen Ufern ins Städtchen läuft, ließ ich deshalb rechts liegen und querte ein kleines Sonnenblumenfeld zur Straße, wo mich freundlicherweise ein Autofahrer die letzten 2 km nach Brüssow mitnahm. Die Gegend nördlich von Carmzow und Brüssow fand ich ganz zauberhaft. Gut möglich, dass es mich dort noch einmal hinzieht, wenn das Getreide noch steht.

 

Quellen:
1,2) Amt Brüssow (Uckermark)

veröffentlicht am: 03.09.2020

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