Von Ludwigsfelde nach Saarmund

gewandert am: 31.10.2019
Region: ,
benötigt: Wanderkarte

Startpunkt: Ludwigsfelde Stuveshof
Ziel: Saarmund
Entfernung: 13,5 km
höchster Punkt: m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Diese ungeplante charmante Tour verdanke ich den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Ich hatte für meinen vorletzten sonnenbeschienenen Urlaubstag eine Tour im Teltow-Fläming geplant. Quasi vor der Haustür. Die einzige vom VBB angebotene Verbindung zum avisierten Startpunkt kam meinem urlauberischen Ausschlafbedürfnis entgegen und ich zog wohlgemut gegen 11 Uhr von dannen. Nach Gröben sollte die (An)reise gehen. Ich wollte der Sonne entgegen dem Ufer der Nuthe folgen und dann nach Westen zum Bahnhof Thyrow schwenken. Wer allerdings nicht kam, war der Bus, der mich von Ludwigsfelde Stuvesweg nach Gröben chauffieren sollte.

Zum Glück hatte ich die Offline-Karte von komoot dabei und konnte mir auf diese Weise eine Nottour zusammen stoppeln, die über Wald- und Wiesenwege die Dörfer Ahrensdorf und Fahlhorst im Bogen um den Erlenbruchwald Siethener Elsbruch verband und mir auf der letzten Etappe nach Saarmund am Ende sogar doch noch ein Stück entlang der Nuthe vergönnte.

Etappe Ludwigsfelde Stuveshof – Ahrensdorf

Um in wanderbares Gebiet zu gelangen, musste ich mich ein kurzes Stück durch Einfamilienhäuser-Gegend schlängeln und war bald im Wald. Obwohl die Ahrensdorfer Heide nunmehr Siedlugsgebiet ist und dort wo hinterm Wäldchen noch Krötenzäune stehen, bereits Bagger auf ihren Einsatz warteten, ist die Strecke bis Ahrensdorf immer noch relativ naturnah und ruhig. Besonders spannend fand ich den Erdwall mit zig Löchern, der im Sommer vermutlich mehr Bewohner hat, als das nahe liegende Ahrensdorf.  Allerdings gäbe es die dort brütenden seltenen Uferschwalben ohne das berherzte Engagement der Ahrensdorfer nicht mehr. Ein Umweltschutzkrimi, erzählt in der Märkischen Allgmeinen

Ahrensdorf ist Ortsteil von Ludwigsfelde und wurde 1242 erstmals urkundlich erwähnt. Mittelpunkt des Ortes ist seine 1575 erbaute Kirche auf dem Dorfanger. Die schlichte Feldsteinkirche beherbergt als Besonderheit eine inzwischen restaurierte und wieder funktionstüchtige Kanzeluhr.

Eine weitere Besonderheit des Dorfes ist die Existenz nennenswerter Gastronomie. Zumindest sah die Gaststätte Zum Deutschen Haus recht einladend und gut besucht aus.

Etappe Ahrensdorf – Siethener Elsbruch – Fahlhorst

Am Deutschen Haus in Ahrensdorf abgebogen, gelangte ich auf die für den Autoverkehr gesperrte Straße nach Gröben. Im charmanten Pflasterstein-Look und von bunt belaubten Bäumen flankiert,  führt das ruhige Sträßchen nordwärts, an den Ahrensdorfer Kiesgruben vorbei und überquert irgendwann die Autobahn.

Mein Weg führte entlang weiter Wiesen mit Blick auf den unter Naturschutz stehenden Siethener Elsbruch. An den Kiesgruben machte ich einen kleinen Abstecher, um mit Blick aufs Wasser einen Happen zu essen. Getrübt wurde das Idyll von wild geparktem Müll. Der Weg führte in sanftem Bogen bis zur Autobahnbrücke und schwang dort wieder in südliche Richtung. Und ich mich vom Motorrad… Ja, ich habe geschummelt und die Gelegenheit genutzt, mich von 2 gemütlichen Motocross-Motorradfahrern, die ich sicherheitshalber nach dem Fortgang des Weges befragt hatte, den letzten Kilometer bis zur Brücke mitnehmen zu lassen.

Der Weg – ab Gröben rot markiert – tangiert eine Autobahnraststätte und führt dann südlich Richtung Fahlhorst. Die undurchdringlich wilden Ausläufer des Elsbruchs zur Rechten sowie das lieblich wirkende Gras auf der Allee machen diesen Wegabschnitt unheimlich reizvoll.

Die Brandenburger Elsbrüche sind mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren in Schmelzwasserrinnen entstanden. So entstanden in den Niederungen verschiedener Flüsse stellenweise fast undurchdringliche sumpfige Gebiete. Die Regulierung der Flüsse und die Entwässerung der Niederungen und Elsbrüche für die Urbarmachung des Landes zugunsten der Landwirtschaft begleitet die Geschichte des Landes seit dem 12. Jahrhundert.

Schon Theodor Fontane bemerkte bei seinen Wanderungen und Niederschriften, dass die Nutzbarmachung des Landes das Aussehen der Landschaft ändert. Dem Namen nach, erstreckte sich der Siethener Elsbruch wohl vom namensgebenden Ort Siethen und ist nur noch ein kläglicher Rest seiner selbst. Trotzdem werde ich eines Tages wiederkommen, um diesen kleinen Urwald Wald zu durchstreifen. Markierte Wege führen hinein, aber wer weiß wo, wieder hinaus…

Etappe Fahlhorst – Nuthe – Saarmund

Fahlhorst ist ein typisches Brandenburger Straßendorf. Ungewöhnlich empfand ich die große Kirche aus dunklem Ziegelstein, findet man in Brandenburger Dörfern doch wesentlich häufiger Feldsteinkirchen vor. Das durch den Dreißigjährigen Krieg verwaiste Dorf, das zwischenzeitlich ein Vorwerk und später eine Meierei war, wurde um 1751 wieder belebt, als auf Geheiß Friedrich II. zwölf Kolonistenfamilien (wahrscheinlich Soldaten) u. a. aus Sachsen angeworben und angesiedelt wurden.
Nach Umgestaltung des desolaten Ortskerns unter Verwendung von EU-Fördergeldern, wurde ein Park mit einem gepflasterten Festplatz als das neue Zentrum des Dorfes eingeweiht. Die neu angelegten Wege geben den Blick auf das sanierte Gutshaus frei. Ich muss gestehen, das Gutshaus Fahlhorst ist mir trotzdem leider entgangen… Mein Weg führte mich nämlich alsbald wieder aus Fahlhorst hinaus ins Grüne. Über saftige Wiesen marschierte ich ostwärts, entdeckte Berge, wo ich keine vermutete und stieß zusammen mit einem Entengrütze-bedeckten Zufluss auf das Flüsschen Nuthe. Ein großer Teil ihres Laufes führt die Nuthe durch den Naturpark Nuthe-Nieplitz. Die feuchten grünen Wiesen, ehemaligen Überschwemmungsgebiete und kleineren Elsbrüche bieten dem Weißstorch und dem Reiher ideale Bedingungen; insbesondere der Reiher-Bestand nimmt seit den 1990er Jahren kontinuierlich zu.

Ich folgte dem urigen Pfad am rechten Ufer, genoss die Ausblicke aufs stille Wasser, beobachtete eine riesige Gänsekolonie bei den Vorbereitungen aufs Nachtlager und grelangte beim Nuthe-Wehr zurück in die Zivilisation. Theodor Fontane, der ebenfalls durch diesen Landstrich wanderte , erwähnte in seinem Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ die in Saarmund angetroffenen Weinberge:  „Im Rücken der Stadt aber, an den Südhängen der Zauche-Hügel, entstanden Weinberge über Weinberge, so daß Deutschland ein paar Jahrhunderte lang die Auszeichnung genoß, einen doppelten Saarwein zu produzieren: einen kur-trierischen bei Saarbrücken und einen kur-märkischen bei Saarmund.“ Über die Qualität des Saarmunder Saarweines findet sich jedoch kein Hinweis. Auch ich machte noch eine kleine Biege durch das beschauliche Saarmund, das wegen seiner Nähe zu den Filmstudios Babelsberg als Filmkulisse diverser Spielfilme herhalten musste. Auch hier war es die Kirche, die besonderes Augenmerk verdiente. Die dreischiffige Basilika von Friedrich August Stüler nach den Plänen von Ludwig Persius erbaut, ersetzte das abgebrannte frühere Gotteshaus. Für den zweiten geplanten Tour reichte das Geld nicht aus, aber auch so bildet das Ensemble im roten Abendlicht ein tolles Fotomotiv. Da es schon dämmerte, bewunderte ich die markanten Saarmunder Kirche nur von außen, erfragte den Verweilort des Bahnhofs und erreichte nach kurzem Sprint den RB22, der mich flugs nach Hause trug.

 

 

Ein wundervoller Tag! Ich kann die Tour wärmstens empfehlen. Für Ruhe Suchende ist sie nicht ganz so geeignet, denn die Autobahn ist meist in Hörweite, aber Entspannung, Einsamkeit und Idylle findet man allemal. Manchmal ist es halt doch gar nicht so schlecht, wenn nicht alles nach Plan läuft.

veröffentlicht am: 01.12.2019

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