Von Storkow nach Wolzig – Salzwiesen, Treidelweg und Gipfelkreuz

gewandert am: 24.06.2020
Region: ,
benötigt: gute Kondition, Wanderkarte

Startpunkt: Storkow
Ziel: Wolzig
Entfernung: 20,9 km
höchster Punkt: 89 m

Erreichbarkeit mit Öffis:

super
okay
dürftig
gar nicht

Die Salzwiesen von Storkow hatte ich noch nie besucht, obwohl wir von Berufs wegen schon oft in Storkow waren. Die Salzwiesen sind nur eine der (mindestens) 3 Attraktionen der sechstältesten der 112 brandenburgischen Städte. Die Burg ist eine davon. Die bekommt man bei dieser Tour allerdings nicht zu Gesicht. Ebensowenig die große Binnendüne vor den Toren der Stadt. Alles, was ich von Storkow sah, war ein nicht besonders Vertrauen erweckendes Bahnhofsgebäude, einen Bus und das Ortsausgangsschild. Die Tour führt durch die Storkower Salzwiesen, folgt anschließend dem Treidelweg am Storkower Kanal, quert Kummersdorf und Görsdorf und führt nach Gipfelbesteigung des Kolbergs vom gleichnamigen Ort am Westufer des Wolziger Sees bis nach Wolzig.

1. Etappe: Bhf Storkow – Philadelphia

Diese Etappe beginnt unmittelbar in Bahnhofsnähe, wo bereits der Salzwiesenwegweiser die Richtung vorgibt. An einem Getreidefeld vorbei gelangt man zu den Salzwiesen. Die Luchwiesen sind eine der artenreichsten Binnensalzstellen Brandenburgs. Gespeist von bis zu mehreren Hundert Metern mächtigen Steinsalzschichten im Untergrund, tritt das salzige Wasser mit dem Grundwasser zutage. Die salzkonzentration an der Oberfläche hängt von Verdunstung und der Höhe des Grundwasserspiegels ab. Um den hier gedeihenden Salz-toleranten Pflanzen optimale Verhältnisse zu schaffen, werden die Wiesen gemäht und die südlichen von Rindern beweidet.  Damit bleibt die Verdunstung hoch und der Salzspiegel konstant.

Als ich den Storkower Salzweg einschlug, war kürzlich frisch gemäht worden, so dass ich keine nennenswerte Salz-Flora oder -Fauna ausmachen konnte. Muss ich wohl nochmal wieder kommen… Kurz vor Philadelphia, das von 1713 bis 1791 den bezeichnenden Namen Hammelstall trug, und 1792 in Philadelphia umbenannt wurde, wohin die dort angesiedelten Kolonisten ursprünglich auswandern wollten, gibt es eine Streuobstwiese. Der sogenannte Ministersortengarten wurde unter Beteiligung jener 2017 in Erinnerung an die 88. Umweltministerkonferenz in Bad Saarow, mit alten Obstsorten bepflanzt.

2. Etappe: Philadelphia – Treidelweg Storkower Kanal – Kummersdorf

Hinter dem Örtchen Philadelphia gelangt man zum Storkower Kanal. Der Blick wird erstmal aber nicht vom träge dahin fließenden Wasser gefangen, sondern vomm massiven Gebäude am anderen Ufer. Welche Aufgabe(n) es erfüllt(e) bleibt dem Betrachter unklar. Klar und deutlich hört man aber den Ruf seiner geflügelten Bewohner. Mit Fernglas lassen sich die Greife, die auf dem Sims in luftiger Höhe parlieren, gut beobachten.

Westwärts geht es am Storkower Kanal entlang, im ersten Abschnitt mit seinen Liegeplätzen für Schubkähne und Hausboote,  noch zweispurig gepflastert, später, wie sich das für einen Treidelpfad gehört, in Pfadmanier. Der Kanal ging aus dem 1732 angelegten Storkower Flößerkanal hervor, der unter der Regierung Friedrichs II. in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Kanal ausgebaut wurde. Der Storkower Kanal, der den Großen Storkower See und den Wolziger See miteinander verbindet, wurde über Jahrhunderte zur Versorgung Berlins mit Bauholz und Ziegeln genutzt. Ich hatte den Kanal fast ganz für mich alleine und genoss die Stille, den Blick aufs Wasser und das Grün beidseits der Ufer bis ich ins 1442 erstmals urkundlich erwähnten Kummersdorf – heute der Einwohner-stärkste Ortsteil Storkows – gelangte.

3. Etappe: Kummersdorf – Görsdorf

Der Weg durch Kummersdorf, der nun an der fast rechtwinklig ins Dorf hinein und am Ende wieder hinaus führenden Straße mit Scheitelpunkt an der Schleuse Kummersdorf, entlang führte, war mir zu lang. Ich suchte und fand eine Abkürzung durch das zwischen den Straßen liegende Kiefernwäldchen. Dieser Abschnitt ist auf der Karte leider nicht eingezeichnet, da ich nach Ende der Tour vergaß, den Stop-Knopf zu drücken, womit die aufgezeichnete Strecke bis nach Hause reichte und unbrauchbar wurde. Ich habe die gewanderte Strecke als neue Tour nachgebaut. Der Komoot-Tourenplaner lässt jedoch keine Abkürzungen auf ihm unbekannten Wegen zu…

Die sich anschließende Etappe nach Görsdorf führte auf breiten sandigen Wegen, die vorgeben, Straßen zu sein, immer geradeaus. Ein schönes Stück Weg, eingerahmt von riesigen dicht belaubten Bäumen und gelegentlichen weiten Feldern mit dräuenden Gewitterwolken. Hier begegenete mir lediglich ein älterer Herr, der recht sportlich mit seinem Hund an mir vorbei zog. Nicht ohne ein paar nette Worte gewechselt zu haben. Ursprünglich hatte ich geplant, direkt von Görsdorf nach Kolberg am Wolziger See zu laufen, dessen westlichem Ufer nach Wolzig zu folgen, um durch die Rohrwiesen weiter zum Bahnhof Kummersdorf zu gelangen. Das hätte allerdings bedeutet, mehrere Kilometer an stark befahrener Straße entlang laufen zu müssen. Angesichts dessen habe ich mich, an der Kolberger Straße angelangt, nur zu gern vom Wanderwegweiser Rundweg um den Kutzingsee verführen lassen, kreuzte also die Hauptstraße und gelangte ins Herz von Görsdorf.

 

4. Etappe: Görsdorf – Kolberg

In Görsdorf wurden alte Erinnerungen wach. In diesem Dorf war ich vor vielen Jahren mehrmals mit jungen Leuten meiner damaligen Gemeinde für kleine Auszeiten. Wir campierten in dem herrlichen Reet-gedeckten Haus direkt am See – als wir da nicht mehr rein passten, in einem der mit Lauben gespickten Grundstücke auf der anderen Seeseite – schwammen und paddelten uns die Seele aus dem Leib und genossen den Abstand zum lärmenden Stadtalltag. Letzteres tat ich auf meiner Tour auch, aber die für den Wolziger See eingepackten Badesachen blieben im Rucksack. Der anfangs blaue Himmel hatte sich überzogen und die Temperaturen luden nicht mehr zum Baden ein. Das sich über den Feldern ankündigende Gewitter suchte sich glücklicherweise aber eine andere Route.

Einen kurzen Zwischenstopp legte ich an der offiziellen Badestelle in Görsdorf ein und einen weiteren gegenüber an einem Steg mit Minibank (netterweise ohne Verbotsschild :-)). Der Rundweg zweigt nach links vom See ab, was ich ebenfalls vorhatte, um den Kolberg von hinten zu erklimmen. Oben auf der Höhe hat man einen schönen Fernblick – wenn mich nicht alles täuscht, ist es das Dörfchen Streganz, was hübsch in die Felder hineindrapiert in der Ferne aufblitzt – und auch der in jene Richtung abzweigende Weg hatte hohes Verlockungspotenzial, aber ich war offline und wollte in Sachen ÖPNV kein Risiko eingehen.

Alsbald tauchte der Weg in nördlicher Richtung wieder in Kiefernwald ein und ein kleiner steiler Abstecher führte auf den Kolberg, wo es abgesehen von einer Ruine und einem größeren Gebäudekomplex mit DDR-Aura absolut nichts zu sehen gibt. Bis auf das Gipfelkreuz samt Gipfelbuch, in das ich mich natürlich eingetragen habe.

5. Etappe: Kolberg – Blossin – Wolzig

Vom Gipfel des Kolbergs durch den gleichnamigen Ort ins Tal hinabgestiegen, gelangt der Wanderer ans Ufer des Wolziger Sees. Nicht vom Pförtnerhäuschen des Sport-Komplexes irritieren lassen! Man durchquert ein weitläufiges Gelände der Brandenburger Sportjugend mit Kajakschuppen und Bolzplätzen, bevor der Weg und man selbst in den schattigen Uferwald eintaucht. Durch den herrlich grünen Linggraben mit Schilfrohr und Vogelchor auf beiden Seiten sowie Gras unter den Füßen, ging es wunderbarst nach Blossin. Nicht weit nach dem Ort versperrt ein altes Tor den Weg, ist aber passierbar. Die letzte Wegstrecke führt ohne Seeblick in Ufernähe durch Mischwald. In Wolzig nahm ich den Bus, der zwar eine ganze Stunde bis Königs Wusterhausen braucht, da er sternförmig alle Passanten aus den umliegenden Dörfern einsammelt, aber ich fand es gerade nett, müde im Bus lümmelnd, noch ein zweites Mal Schauplätze der Tour zu passieren…

veröffentlicht am: 26.07.2020

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